Hanna Steffen
(Frauen)
03.12.1984
Nr. 11
SV ELS: "Hallo Hanna, Du hast uns ja vorübergehend verlassen, um Dich in fußballkultureller Hinsicht beim Magazin 11 Freund(innen) weiterzubilden. Wie fällt
Dein erstes Fazit nach der Anfangszeit in Berlin aus?"
Hanna: "Es macht sehr viel Spaß in der Redaktion und ich bin glücklich, gerade hier zu sein. Ein Highlight wird im Sommer natürlich die WM sein. Was überaus praktisch ist: Das 11
Freunde-WM-Quartier wird dann nur etwa 500 Meter Luftlinie von meiner Wohnung in Friedrichshain entfernt sein."
Was war das Aufregendste, was Du bisher erlebt hast? Ein Vertragsgespräch mit Oliver Bierhoff? Eine Pizza "Nutella" mit "Van the Man"?
Von letzterer Aktion träume ich nachts vielleicht. ;-) Das große Interview für die neue Ausgabe 11 Freundinnen war spannend, die Fahrt zum DFB-Hallencup, die Jubiläumsparty zur 100. Ausgabe und
einige Telefonate mit diverser Fußballprominenz natürlich. Ich glaube, mein ganz große Coup steht noch bevor.
Nun bist Du ja nicht nur Redakteurin, sondern auch selbst Spielerin bei ELS. Vermisst Du das Training und die Spiele? Oder hast Du nach all den Fußballthemen
in der Redaktion nach Feierabend genug vom Fußball?
Das regelmäßige Training vermisse ich, klar. Aber bis Juli will ich mich ja ab und an auf der Südkampfbahn sehen lassen. Genug vom Fußball habe ich abends eigentlich nicht, am Wochenende erst
recht nicht. Man trifft man mich dann in den einschlägigen Kneipen mit Übertragungsrechten. Ansonsten bin ich froh, wenn ich abends auch mal „Büro zu!“ sagen kann und habe dann auch durchaus kein
Problem damit, alleine Fußball zu gucken und zu kommentieren. Und natürlich gehe ich auch vielen anderen Interessen nach. Es muss nicht immer Fußball sein.
Wie bist Du eigentlich zu ELS gekommen? Und was macht das Besondere an Team und Verein für Dich aus?
Ich hatte länger mit dem Gedanken gespielt, mir wieder einen Verein zu suchen, war genervt von dem Laissez-faire beim Hochschulsport. Anfang 2009 passte es dann: Abschlussprüfungen und
Beziehungsbruch prasselten gleichzeitig auf mich ein. Mir fehlte der Fußball, der Zusammenhalt eines Teams, ein großes Ziel... In der Bibliothek fand ich zufällig den ELS-Flyer und fühlte mich
direkt angesprochen. Dann meldete ich mich beim Trainerteam und bekam prompt eine Antwort. Die Entscheidung für ELS fiel intuitiv und hat sich später auf und abseits des Fußballfeldes vollends
bestätigt. Klar, hat es eine Weile gebraucht, um im Team nachhaltig Anschluss zu finden, aber wohl gefühlt habe ich mich von Anfang an. Die Südkampfbahn gehört zudem zu den schönsten Spielstätten
in Leipzig, wie ich finde.
Besonders am ELS-Team ist die Vielfalt der Interessen, die Bandbreite des Alters, insgesamt die Aufgeschlossenheit der Mannschaft. Das werden andere Vereine aber sicher auch für sich
beanspruchen, denke ich. Ich habe ja nahezu meine gesamte Studienzeit in Leipzig verbracht. Die individuelle Bemühung, noch neue Leute kennenzulernen, stagniert ja eigentlich mit zunehmender
sozialer Verwurzelung. Ich kann sagen: Auch nach 5 Jahren Leipzig habe ich noch mal auf einen Schlag so viele tolle Menschen kennengelernt und dabei konnten sogar neue Freundschaften entstehen.
Beeindruckend sind auch die Leidenschaft und überdurchschnittliche Einsatzbereitschaft des Trainerteams. Das ist rar und nicht selbstverständlich, schon gar nicht in dieser Spielklasse – soviel
kann ich zumindest aus meiner bisherigen Erfahrung in Vereinen guten Gewissens sagen.
Wann dürfen wir die "linke Klebe" wieder in Leipzig erwarten? Und was hast Du Dir als Ziele für ELS gesteckt?
Nach dem jetzigen Stand werde ich kurz nach dem WM-Endspiel wieder schön regelmäßig mit dem Bus 70 nach Connewitz fahren. Mein Saisonziel für ELS ist der Klassenverbleib. Das Team hat so viel
Potential - das kann man immer wieder sehen. Schade, zuletzt fehlten Disziplin, Nerven und Selbstvertrauen. Aber das wird wieder und wir werden es schaffen!!! Mein persönliches Ziel ist, meinen
fast schon gordischen Torknoten in den Spielen zu lösen… ;-)
Bekanntermaßen bist Du ja glühender HSV-Fan. Wie kommt es zu dieser Leidenschaft? Und welchen HSV-Star würdest Du auf ein Bier
einladen?
Ich bin ja kein gebürtiges Nordlicht, sondern müsste meiner Heimat Bad Pyrmont nach eher Anhängerin von 96 oder Arminia sein. Das ging für mich aber nie über Stadionbesuche und regionale
Sympathie hinaus. Sozialisationsbedingt wandelte ich ohnehin zunächst auf Abwegen: Auf einem alten Familiendia schmückt ein einzelnes Mannschaftsfoto vom FC Bayern die Strukturtapete unseres
Wohnzimmers beim Kaffeetrinken nach meiner Taufe 1985, mit 11 riss ich noch heimlich aus Papas Bayernmagazin das Ciriaco Sforza-Poster aus. Mit 13, als ich mit Fußballspielen anfing, gab es dann
endlich die hanseatische Erleuchtung: HSV unter Pagelsdorf, Spiele und Szenen, die sich in mein Gehirn gebrannt haben, Roy Präger küsst seinen Schuh, Zeugen Yeboahs, Butt, Butt, Butt! HSV vs.
Juve 2000... ich weiß auch nicht. In meinem Kopf herrscht beim bloßen Wort "HSV" pures Durcheinander, absolute Bilderflut. Aus einer 1997 anfänglich harmlosen Schwärmerei wurde so letztlich eine
große Liebe. Hamburg ist vielleicht nicht meine Heimat, aber meine Herzensstadt. Gegen St. Pauli habe ich übrigens auch nichts - solange uns eine Liga voneinander trennt.
Auf ein Bier in einer lauschigen Hafenkneipe würde ich wahlweise gerne einladen: Guy, Mladen oder Ruud.
Nun bist Du ja unlängst auch als Kabinen-DJ in Erscheinung getreten. Hast Du zum Abschluss noch einen CD-Tipp für uns? Was müssen wir unbedingt
hören?
Oh, wenn ich da jetzt ausholen würde… Aber in jedem Fall: „Kabinenmusik Vol. III“ - Demnächst auch in Ihrem Vereinsheim. ;-)